Samstage

leichenhalleDie Herausforderung besteht darin einen Samstag ohne Absturz zu überstehen. Eine Aufgabe, die mir in den letzten Monaten nicht gut gelungen ist.

Zu meinen Studienzeiten unterschieden sich die Samstage nicht von sonstigen Wochentagen, außer dem Versprechen das ich für eine gewisse Zeitspanne nicht unter Menschen sein muss. Ansonsten waren sie eben ein Zeitintervall, das angefüllt war mit Aufgaben und Verpflichtungen die ich eben prokastinierte oder erledigte, je nachdem.

Tatsächlich machte mit dir Indifferenz der Samstage zu schaffen. Ich wünschte mir ziemliche lange sehnsüchtig die Schulzeit zurück. Denn bei allen Problemen die ich da hatte, hatte ich zumindest die Möglichkeit die Wochenenden zu genießen. Ein Lichtblick, der mich über die Woche hin bei Laune hielt und mich auf die Freitage hoffen ließ.

Während meiner Studienzeit erlebte ich eine einzige Nivellierung. Sämtliche Auf und Abs der Woche und auch sonst, wichen einer stetigen Monotonie. Welcher Tag, welcher Monat oder welches Jahr gerade aktuell war, war ein Faktum, dessen Bedeutung für mich immer mehr verblasste.

Ich freute mich darauf, nach dem Abschluss meines Studiums, mit dem Eintritt ins Berufsleben, wieder eine Bedeutung in den Wochenenden sehen zu können.

Ich merkte recht schnell, in den ersten Wochen meines Berufslebens, dass sich diese Erwartungshaltung nicht einfach so erfüllen wird. Ich habe ein ganz grundsätzliches Problem übersehen: Was mich die Wochenende während meiner Schulzeit als so schön empfinden ließ, war nicht allein die Abwesenheit der Schule. Sondern auch, dass es tatsächlich Dinge gab, die ich gerne und ausgiebig während meiner freien Zeit tat.

Im Laufe der Jahre bin ich diesen Dingen entwachsen und an ihrer Stelle ist nichts getreten. Und so stehe ich an den Wochenenden vor dem Problem, dass ich absolut keine Idee habe, was ich mit mir anfangen kann. Die Samstage haben mich den Zustand von Freud- und Interessenslosigkeit am deutlichsten spüren lassen. Ich bereue seit Jahren jeden Tag, den ich nicht als zufrieden und wertvoll empfinde. Und an einem Samstag kann ich kaum anders, als mir das Leben auszumalen, dass ich nicht führe.

Ich bin zum Glück recht pragmatisch orientiert und probiere seit Monaten Dinge aus, die ich tun könnte. Leider werde ich sobald wohl weder japanisch Sprechen noch Klavierspielen lernen. Quantenphysik wird mir ebenso verwehrt bleiben wie Baustilkunde. Trotz vieler Übung, werde ich wohl niemals Zeichnen können. Aber eine Sache habe ich zumindest gefunden, die mir relativ Freude macht und — ein großer Pluspunkt — eine Veranlassung gibt das Zimmer zu verlassen: Das Photographieren.

friedhofskatze

Letzten Samstag habe ich mich, bevor die Dysphorie zuschlagen konnte,  aufgemacht  und Kaiserslautern circa sechs Stunden lang zu Fuß erkunden. Übrig geblieben ist vor allem die Erkenntnis, dass durch Kaiserslautern spazieren nichts ist, was einen vor Depressionen bewahrt.

Aber drei positive Dinge konnte ich dennoch mitnehmen. Zum einen eine Bekanntschaft mit einer ausnehmend schönen und liebenswürig scheuen Katze. Die freudige Überraschung, dass es in Kaiserslautern tatsächlich einen hübschen Friedhof gibt. Und schließlich einen sehr symphatischen Teeladen.

Letzteren hatte ich schon seit längerem ins Auge gefasst, weil ich annahm, ich könnte mich zu einem produktiven Teetrinker entwickeln. Leider habe ich große Hemmungen in kleinen Läden herein zu gehen, da ich mich da sofort beobachtet fühle.

Ich weiß nicht, der wievielte Anlauf dieser Samstag war, aber nach mehreren Stunden Fußmarsch überwältig irgendwann die Erschöpfung die Neurosen und ich schaffte es rein- und mit grünem Tee wieder rauszugehen. Ein Getränk übrigens, dass ich nur empfehlen kann.

klwald

Tatsächlich habe ich auch etwas Wald mitten in Kaiserslautern gefunden. Wie ich finde, sogar ein ziemlich schönes Fleckchen.

Kein guter Samstag, aber immerhin der Beste seit Langem.

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Anfang

Das hier wird eher ein klassisches Tagebuch werden. Also rein egozentrisches Betrachtungen, des einzigen Themas das ich wirklich spannend finde: Mich. Wenn jemand lesen möchte kann das gerne getan werden, aber ich diskutiere nicht so gerne über mich.

Ich bin ein bisschen komisch und ich halte meine Persönlichkeit und Gedanken in einigen Punkten für unstetig. Für gewöhnlich behaupten Menschen von sich selbst, dass sie sowas sympathisch finden. Dass sie die „Freaks” schon immer spannender fanden, als die „Normalen”. Meiner Erfahrung nach stimmt das nicht und es gibt auch keinen Grund dazu.

Ich bezeichne mich häufiger bei Selbstbetrachtungen als Freak, obwohl ich in den meisten Dingen eher mediokren bin. Aber ich habe einige Defizite und dysfunktionale Idiosynkrasien, gegen die ich, bis dato vergeblich, anzuschwimmen versuche. Und ich bin zunehmend frustriert darüber. Mehr steckt nicht dahinter; ich bin weder besonders spannend noch originell. Der Zweck des Blogs hier, ist vor allem mich dazu anzutreiben ein Journal zu führen. Ich habe so meine Probleme Dinge zu tun, wenn ich mich nicht dazu gezwungen sehe.

Ich nenne den Blog hier separare, weil mich seit langem meine Isolation beschäftigt, die sich aus der Abwesenheit eines sozialen Umfelds ergibt. Früher, als ich noch deutlich bindungsgestörter und allgemein neurotischer war, fand ich die Isolation toll. Nicht inhärent toll; aber mit Menschen zusammen sein, war eine so schreckliche Vorstellung, dass die einzig denkbare Alternative, alleine sein, im Vergleich dazu wunderbar klang. Im Laufe der Jahre, habe ich eine Verlagerung erlebt. Zum Beispiel verschwand mein psychosomatisches Erbrechen, wenn ich in Gesellschaft bin und mich überfällt kein unbeschreiblicher Ekel mehr, wenn ich mir vorstelle eine Freundschaft zu führen.

Da also die Aversion gegen das Zusammensein verblasst, verblasst auch zunehmend die Attraktivität des Alleinseins und ich erlebe sie immer stärker als eine Form der Einsamkeit.

Eine Entwicklung, die mir erstmal richtig bewusst wurde, als ich im Laufe meines Studiums, eine Periode erlebte, in der ich über mehrere Wochen hinweg nicht eine Interaktion mit Menschen hatte. Ich spürte, dass allmählich etwas in mir atrophierte und ich apathisch wurde; außerdem hatte ich die aufrichtige Sorge, meine Fähigkeit zu Sprechen zu verlieren. Ich neige manchmal zu Dramatisierungen.

Ich war da noch ein wenig naiv und dachte, dass eigentlich nur mein Unwillen zu sozialen Kontakten, mich in die Isolation trieb und ich doch bestimmt mit Leichtigkeit Freunde finden könnte. Immerhin, sind die meisten Menschen da draußen so interessant, wie ein Glas lauwarmes Wasser. Und die haben alle Freunde. Es kann also nicht so große Hürden beinhalten, Freunde zu organisieren.

Ich habe es jetzt, nach fast 30 Lebensjahren nicht geschafft, eine wirklich präsente stabile zwischenmenschliche Beziehung aufzubauen. Eine, die nicht primäre eine Quelle von Frustration und unerfüllten Erwartungen ist.

Ich habe in den letzten zwei Jahren, eine sehr positive Persönlichkeitsentwicklung leisten können. Ich kann mich, ein absolutes Novum für mich, in Gruppen integrieren und Gespräche führen. Ich denke, ich bin darin mittlerweile sogar nach menschlichen Maßstäben einigermaßen gut. Das ist allerdings eine reine Konsequenz der Notwendigkeit. Ich muss mich integrieren können, wenn ich eine Arbeit finden und behalten will. Leider gibt es im Leben keine Notwendigkeit Freundschaften aufzubauen.

Da ich eine Neigung zur Vollständigkeit habe, möchte ich meine derzeitig tatsächlich vorhanden Sozialkontakten erwähnen: Ich bin in einem Pro-*-Forum (Pro-Ana, Pro-Mia, Pro-SVV, …), in dem ich sehr viele, äußerst spannende und liebenswürdige Menschen kennen lernen durfte.

Eine Person daraus ist sogar jemanden, den ich als Freund bezeichnen würde. Allerdings über 300km von mir entfernt. Wir sprechen uns eher unregelmäßig und auch rein schriftlich, aber dennoch, würde ich das nicht nur nach meinen defizitären Maßstäben als eine fruchtbare Freundschaft bezeichnen. Das ist schon viel denke ich, aber eben auch nicht genug.

Desweiteren habe ich jemanden, den ich als meine Freundin bezeichne. Aber das ist von Anfang nicht wahr gewesen und über die Zeit ist es sogar noch unwahrer geworden. Es ist seit langem eine infrequente, platonische, eher oberflächliche Freundschaft geworden.

Ich habe es geschafft mich an diesem Samstag um 7 Uhr aus dem Bett zu quälen. Metaphorisch gesprochen. Ich bin zumindest bei Bewusstsein. Ich wollte den Sonnenaufgang photographieren. Aber die Morgenstunden verstärken mein Gefühl der Einsamkeit. Ich erinnerte mich an den Blog hier, den ich vor Monaten angelegt habe und dachte mir, ich sollte es einfach mal durchziehen. Mal schauen.